Blog: Daniel’s Newsletter:

Update am 18.03.2019:

„Fridays for Future“

Der freitägliche Protest von Schülerinnen und Schülern (und politisch korrekt m/w/d) spaltet die Meinungen in unsere Gesellschaft. Gegner der Kampagne glauben an eine gute Vorwand für die Jugendlichen, um die zum Schule schwänzen zu können . Die Befürworter loben die Zivilcourage der nachwachsenden Generation, die schließlich in besonders hohem Maße  mit den realen Folgen des Klimawandels zurechtkommen muss .

Meine Meinung: Es wird sicher einige Trittbrettfahrer geben, denen es mehr um schulfreie Zeit als um  Umweltschutz geht. Aber insgesamt finde ich es gut , dass der angeblich so politisch desinteressierte Nachwuchs klare Kante zeigt, sich öffentlichskeitswirksam artikuliert und damit die Entscheidungsträger zum konkreten Handeln zwingt!!!

Apropos „öffentlichkeitswirksamer Protest“:

Manchmal geschehen doch noch Zeichen und Wunder…

Oder konkret für uns Physiotherapeuten: Ein gut 2-minütigen Bericht im „Heute Journal“ des ZDF zur besten Sendezeit. Inhalt: Der Protest von Physiotherapeuten (kurz PT) in Berlin gegen die seit Jahren unhaltbaren Bedingungen, unter denen unser Branche arbeiten muss.

Hier nur ein paar Beispiele :

– Bisher kostete die Ausbildung zum PT ca 350 – 400 Euro Schulgeld pro Monat über 3 Jahre hinweg (das soll jetzt endlich in einigen Bundesländern abgeschafft werden)

– Zum Dank können nach dieser anspruchsvollen und teuren Ausbildung in der Praxis immerhin etwa 60 Prozent der am häufigsten von Ärzten verschrieben Verordnungen auch durchgeführt werden! Für den Rest (Man. Lymphdrainage, Manuelle Therapie, KG an Geräten, Bobath/PNF  bei neurologischen Erkrankungen, Reha-Sport etc.) muss der examinierte PT zusätzliche, teils wochenlange Weiterbildungen besuchen. Und natürlich selbst bezahlen. Zur Belohnung werden z.B. die in Man.Lymphdrainage  fortgebildeten PT dann natürlich von den Krankenkassen besonders honoriert…. nämlich mit einem niedrigeren Honorar pro Minute im Vergleich zur „normalen“ Krankengymnastik

– Die gesetzlichen Krankenkassen setzen bei der Bezahlung für die Position Krankengymnastik eine Behandlungszeit von 15 Minuten an. Brutto. Das heisst inklusive Terminvergabe, Umziehen in der Behandlungskabine, Anamnese, Befundung, Dokumentation etc. Wenn man 5 Minuten länger taktet (weil sonst oft nicht zu schaffen und ein besseres Therapieergebnisses) gibt es dafür keinen Cent mehr. Das bedeutet für meine Praxis  einen Verlust von rund 30.000 Euro pro Jahr

– Wir sind vor dem Gesetz ein „Heilhilfsberuf“. Das heisst, dem „normalen“ PT wird eine Behandlung ohne den Segen des Arztes (= Verordnung)  nicht zugetraut. Ihm wird aber sehe wohl zugetraut bzw. auferlegt, die Verordnungen auf ihre inhaltliche und formale Korrektheit hin zu überprüfen! Ist die nicht gegeben (z.B. ein Kreuz an der falschen Stelle) ist sie ungültig. Übersieht der Therapeut eine inkorrekte Angabe des Arztes und behandelt trotzdem, wird die Verordnung und damit seine Arbeit nicht vergütet . Sprich: für den Fehler des Arztes haftet der Therapeut!!!!

– Die durchschnittliche monatliche Bezahlung für den angestellten PT liegt zur Zeit bei sage und schreibe 2.150 Euro brutto im Monat (rund 650 Euro weniger als in den ebenfalls unterbezahlten Pflegeberufen).

Die aus den obrigen Beispielen resultierende Entwicklung in unserem eigentlich sehr interessanten und abwechslungsreichen Beruf ist  deshalb wenig überraschend und vergleichbar mit dem der Pflege: immer mehr PT scheiden immer früher frustriert aus dem Beruf aus.  Immer weniger junge Leute wollen ihn aufgrund der schlechten Rahmenbedingungen überhaupt erlernen. Parallel dazu steigt der Bedarf an Physiotherapie kontinuierlich an. Die logische Folge: Die Wartezeiten werden immer länger. Hausbesuche können oft schon überhaupt nicht mehr durchgeführt werden. Die Zeche zahlt am Schluß also (ebenfalls wie in der Pflege), der Patient: mit einer schlechteren Gesundheit. Und, welch eine Ironie, letztendlich auch die Krankenkasse, weil sie später für teure Operationen, Medikamente und Hilfsmittel viel mehr Geld ausgeben muss als sie vorher vermeintlich eingespart haben.

Ganz zum Schluß des aktuellen Blogs dann aber doch noch etwas Positives: Mein Bruder Thomas feiert heute (18.03.) sein 51.Wiegenfest! Viele Grüße nach Trier/Bonn und herzlichen Glückwunsch!!! Genauso herzlich grüße ich natürlich wie immer alle anderen Leser, Kunden und Mitmenschen…  
Daniel Weinand  

Das neue Gesetz beinhaltet viele neue Regelungen, manche Verbesserungen und eine Menge Hausaufgaben für die Verbände.

Am Donnerstag den 14. März war Jens Spahn genau ein Jahr im Amt als Gesundheitsminister. Just an dem Tage wurde das bisher umfangreichste Gesundheitsgesetz dieser Legislatur (202 Seiten, 54 Änderungsanträge) beschlossen. Da es sich um ein sog. Omnibusgesetz handelt, enthält es zahlreiche Bestimmungen, welche mit dem ursprünglichen Gedanken, ein Gesetz zur schnelleren Terminvergabe für gesetzlich Versicherte, nichts gemein haben. Vereinfacht kann für die Heilmittelerbringer (HME) gesagt werden, dass in diesem Gesetz, das von Roy Kühne angekündigte HHVG II und das geforderte Sofortprogramm Therapieberufe zum Teil verwirklicht wurden. Das Gesetz geht zwar noch in den Bundesrat. Es handelt sich aber lediglich um ein sog. Einspruchsgesetz. Das heißt: Der Bundesrat könnte seinen Einspruch gegen das Gesetz erheben, welcher dann wiederum vom Bundestag überstimmt werden könnte. Momentan geht aber keiner der Beobachter im politischen Umfeld von einem solchem Szenario aus.

Die Regelungen für die HME im Einzelnen 1) Abschaffung der Grundlohnsummen-Bindung: Laut Heilmittelverbänden war es auf Grund gesetzlicher Regelungen lange Zeit nicht möglich, Preissteigerungen oberhalb der sog. Grundlohnsumme in den Verhandlungen mit den Krankenkassen zu erzielen. Im HHVG wurde diese Bindung für drei Jahre ausgesetzt. Nun ist diese Bindung komplett abgeschafft.

2) Einrichtung einer Schiedsstelle bis 15. November 2019: Wie die Erfahrung zeigt, waren Verhandlungen mit den Krankenkassen in der Vergangenheit nicht immer ganz einfach. Von einer Verhandlung auf Augenhöhe konnte man selten sprechen, da den Verbänden ein an Finanzkraft überlegener Gegner gegenübersaß, der Streitigkeiten kostentreibend in die Länge ziehen konnte. Da bei den zukünftigen Verhandlungen ein solches Gebaren nicht ganz auszuschließen ist, hat der Gesetzgeber die Einführung einer Schiedsstelle für Streitigkeiten zwischen Kassen und HME-Verbänden beschlossen. Sollten sich die Parteien bis 15.11.2019 nicht einigen können, wird der Gesetzgeber dies regeln. 3) Bundesweit einheitlicher Rahmenvertrag für alle HME ab 1. Juli 2020: Momentan existiert deutschlandweit ein Wildwuchs an Rahmenverträgen und den dazugehörigen Preislisten. Dies will der Gesetzgeber deutlich vereinfachen und hat dem GKV-Spitzenverband und den maßgeblichen Verbänden den Auftrag erteilt, zusammen einen neuen Rahmenvertrag für jeden Heilmittelbereich zu vereinbaren, welcher dann ab 1. Juli 2020 gelten soll. Er hat ihnen auch gleich noch die Inhaltsangabe mitgeliefert. Wichtig: Der Gesetzgeber besteht darauf, dass Preise in Zukunft „die Entwicklung der Personalkosten, die Entwicklung der Sachkosten für die Leistungserbringung sowie die durchschnittlichen laufenden Kosten für den Betrieb der Heilmittelpraxis“ berücksichtigen. Streit bis zur letzten Minute gab es dabei um den Begriff der Maßgeblichkeit. Eine ursprüngliche Gesetzesfassung benannte in den Ausführungen, diejenigen Verbände als die maßgeblichen, welche die bereits bestehenden Rahmenempfehlungen unterzeichnet hatten. Dies hätte alle später gegründeten Verbände von der neuen Verhandlung ausgeschlossen. Diesem Umstand wurde nun mit dem Wörtchen „insbesondere“ Rechnung getragen. Wörtlich steht nun im Gesetz: „Als maßgeblich sind für die erstmaligen Verhandlungen insbesondere die Verbände oder Organisationen anzusehen, die bereits nach dem bisherigen Recht als maßgeblich eingestuft worden sind und am Abschluss der Rahmenempfehlungen nach § 125 Absatz 1 in seiner bisherigen Fassung beteiligt waren…“ Was so ein Wörtchen alles bedeuten kann. Einen weiteren kritischen Punkt in dieser Angelegenheit sehen mit der Materie betraute Kreise auf Seiten des GKV-Spitzenverbandes. Es stellt sich die Frage, ob dieser über genügend Ressourcen verfüge, bis Sommer 2020 neue Rahmenverträge für alle Heilmittelbereiche zu vereinbaren. 4) Bundesweit einheitliche Preise ab 1. Juli 2019: Als Vorraussetzung für die einheitlichen Rahmenverträge ab Sommer 2020 werden zum 1. Juli 2019 alle Preise auf das bundesweit bisher am höchsten ausgehandelte Niveau angehoben. Leider konnte der Gesetzgeber keine anwenderfreundliche „Splittingregel“ finden. Wörtlich steht im Gesetz: „Für die Anwendbarkeit der Preise ab dem 1. Juli 2019 (zum Beispiel, ob das Datum der Verordnung oder das Datum der Behandlung maßgeblich ist) gelten die vertraglichen Regelungen.“ 5) Zulassung: Zukünftig soll es pro Bundesland eine Arbeitsgemeinschaft als einzige Anlaufstelle für die Zulassung geben. In dieser sitzen allerdings ausschließlich Vertreter der Krankenkassen. Laut Gesetz sind diese Arbeitsgemeinschaften bis zum 31.August 2019 zu bilden. Wichtig für alle bestehenden Praxen: Sobald der geplante neue Rahmenvertrag ab 1.Juli 2020 zustandegekommen ist, müssen bestehende Praxen den neuen Vertrag innerhalb von sechs Monaten anerkennen, anderenfalls verlieren sie ihre Zulassung. 6) Blanko-Verordnung in die Regelversorgung ab 15. November 2020: Spannend dürfte es werden, wie die geplante Einführung der Blanko-Verordnung in die Regelversorgung funktioniert. Laut Gesetz müssen die Verbände mit dem Spitzenverband der Krankenkassen bis 15. November 2020 einen Vertrag zur Blanko-Verordnung vereinbaren. In diesem sind dann Dinge geregelt wie zum Beispiel: – für welche Indikation gelten die Blanko-Verordnungen – ob bei der Blanko-Verordnung von der Heilmittel-Richtlinie abgewichen werden darf – inwieweit der Behandler die Dauer der einzelnen Behandlungseinheit bestimmen darf und wie diese dann abzurechnen ist – welche Maßnahmen gegen eine unwirtschaftliche Mengenausweitung ergriffen werden Sollten sich die Verbände mit den Kassen nicht einigen, wird die neu geschaffene Schiedsstelle die Bedingungen für die Blanko-Verordnung festlegen. 7) Transparenzregel: Schon in das HHVG fand in letzter Minute die sog. Transparenzregel Eingang. Damit wollte der Gesetzgeber kontrollieren, ob die Erhöhungen der einzelnen Preise auch durch die Praxisinhaber an die Angestellten in Form von Lohnsteigerungen weitergegeben würden. Leider war die Konzeption unausgegoren und hat dementsprechend auch nicht funktioniert. Nun einigte man sich darauf, zur Kontrolle die Daten der Berufsgenossenschaften zu verwenden. 8) Barrierefreiheit: Verbände und Kassen sollen eine Empfehlung erarbeiten, die die Vorrausetzungen einer barrierenfreien Praxis beschreibt. Im Gesetz steht allerdings: „Eine Verbindlichkeit resultiert daraus nicht.“ Was steht sonst noch in diesem Gesetz: – die neuen Terminservicestellen (erreichbar rund um die Uhr unter 116117) steuern künftig den Patienten in die richtige Versorgungsebene (Notfall, Facharzt, Hausarzt…) – die Ausschreibungen für Hilfsmittel insbesondere Inkontinenzeinlagen und Rollstühle werden abgeschafft – das Bundesministerium für Gesundheit übernimmt 51% der Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte (gematik), welche eigentlich seit ca. 15 Jahren die elektronische Gesundheitskarte hätte einführen sollen und bereits über 1 Mrd. Euro dafür ausgegeben (um nicht zu sagen „verbrannt“) hat – Ärzte bekommen im Zuge des TSVG künftig 1,2 Mrd. mehr für ihre Arbeit – ab 2021 soll es jetzt für jeden, der möchte, die elektronische Patientenakte (ePA) auf dem Smartphone oder Tablett geben – die Transparenz der Vorstandsgehälter bei Krankenkassen, dem medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) und den Kassenärztlichen Vereinigungen wird verbessert (physio.de berichtete) und die künftigen Vergütungssteigerungen begrenzt Was nicht Eingang in das Gesetz gefunden hat: – Modellvorhaben für den Direktzugang (DA) – Abschaffung der Rezept-Prüfpflicht für die Therapeuten – Abschaffung der Inkassopflicht der Rezeptgebühr durch die Therapeuten – Abschaffung des Schulgeldes – Ausbildungsvergütung Interessant am Rande In der Antwort (unter dem Reiter „2./3. Lesung“ ab Minute 44:08) auf die einzige Kurzintervention während der Debatte nannte der Gesundheitsminister explizit all die Therapeuten, welche „zu Recht seit Monaten auf der Straße in Protestaktionen hinweisen auf ihre schwierige Situation“. Ob er da an all die Demonstrationen, Protestfahrten und Kreideaktionen gedacht hat? Wir können es nur vermuten. Friedrich Merz / physio.de
 
   

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Kommentare (9)

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    Patrik Werle

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    Zur not habe ich noch einen TT Schläger.??

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      Daniel_Weinand

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      Sauwer…Komm einfach mit!!!

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    Antonia

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    Danke lieber Schwiegersohn

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    Patrik Werle

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    SO und die Umschlagbaren Momente in der Bäckerei!?.

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      Daniel_Weinand

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      Für die bist alleine Du zuständig! ?

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    Andreas Schuh

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    Sehr schön jedes mal deinen Blog zu lesen, macht Spaß. Weiter so!!!

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    Patrik Werle

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    Nur der Jupp und die beiden Herrmans können die Nachfoge antreten.

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    Lothar Müller

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    Hallo aus Kastel.
    Ein schöner Blog, welcher sich total kurzweilig lesen lässt.
    …und daher ein großes Lob verdient.

    Grüße Lothar

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      Daniel_Weinand

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      Vielen Dank!! Und viel Spaß auf dem „Hahn“ 😉

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